Es begann im Bürgerverein

Am Anfang war die Sonntags-Schule: In der außerordentlichen Generalversammlung des Husumer Bürgervereins am 25. November 1838 wurde der Vorschlag gemacht, für hiesige junge Handwerker eine Sonntagsschule einzurichten. Nachdem dieser Vorschlag von der Versammlung im allgemeinen beifällig aufgenommen worden war, erfolgte die Wahl einer aus fünf Mitgliedern bestehenden Kommission zur näheren Prüfung dieser Vorschläge. Hierbei erhielten Justizrat von Wardenburg 32, Senator Rehder 31, Kandidat Kaftan 21, Schullehrer Aye 21 und Senator Dames 17 Stimmen. Nachdem sich zur Übernahme des Unterrichts in verschiedenen Fächern eine ausreichende Zahl Lehrer bereiterklärt hatten, konnte die Kommission dem Bürgerverein in einer Generalversammlung am 7. Januar 1839 einen Entwurf zur Errichtung einer Sonntags-Schule vorlegen. Dieser Entwurf enthielt 33 Paragraphen. Als Vorstand der Schule wurden gewählt Senator Rehder mit 23, Senator Dames mit 14 und Senator Rittel mit 14 Stimmen. Für den Unterricht wurde dem Vorstand zunächst die Benutzung des Schulzimmers des Unterlehrers an der Distrikt Schule auf der Neustadt, dann ein Schulzimmer an der größeren Knaben-Schule zur Verfügung gestellt. Der Vorstand erließ erstmals am 12. April 1839 eine „öffentliche Aufforderung an alle jungen Handwerker, welche geneigt sein möchten, an dem Unterricht in der Sonntagsschule teilzunehmen, sich deshalb zu melden". Die Zahl der Angemeldeten belief sich bei der festgesetzten Frist auf 70. Später kamen noch weitere hinzu. Für die Schule wurden die notwendigen Geräte und Un:' terrichtsmittel beschafft, darunter Wandleuchter, Tintenfässer, Feuerhaken, Reißbretter, Tische, Rechentafeln, Rechenbücher, Zeichenbücher, Schreibbücher, Pinsel, Bleistifte, Stahlfedern, Tusche oder Griffel. Der Unterricht erstreckte sich auf Architektur, Rechnen, Zeichnen und Schreiben. Über den Schulbesuch wurde genau Buch geführt, Versäumnisse wurden getadelt. Den Unterricht erteilten ausgesuchte Lehrkräfte im Beisein jeweils eines Vorstandmitgliedes. Im März 1841 wurde im Protokoll verzeichnet: „Der Besuch der Schule hat den Wünschen des Vorstandes nicht entsprechen können. Inzwischen hofft derselbe teils von der jetzt herannahenden, für Sonntags-Schulen sich besser eignenden Jahreszeit und teils von denjenigen Kontroll- und Schärfungsmaßnahmen, die von ihm geleitet wurden, einen guten Erfolg und erwartet, dass die jungen Leute die ihnen gebotene Gabe je mehr und mehr erkennen und benutzen werden. Dahingegen muss der Vorstand mit gebührender Anerkennung bemerken, dass ein Teil der Schüler die Schule regelmäßig und gerne besucht und in dem Eifer für das Gute nicht erkaltet ist. Für das sittliche Betragen der Schüler gab es wohlverdientes Lob, und der Vorstand bezeugte freudig, dass zu irgendeiner Rüge oder Beschwerde nicht die mindeste Veranlassung gegeben worden ist. Mehrere der abgegangenen und manche der noch gegenwärtigen Schüler haben erfreuliche Zeichen ihres Weiterkommens geliefert".

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Gründung am 1. Februar 1857

Gründungstag des Husumer Handwerkervereins ist der 1. Februar 1857. Die Direktion, welche die Funktionen eines Vorstandes ausübte, bestand aus A. F. Möller als 1. Wortführer, J. Walter als 2. Wortführer, A. Mangels als 1. Schriftführer, J. H. Nagel als 2. Schriftführer, H. H. Rothgordt als Rechnungsführer, B. Johannsen als Rechnungsführer der Spar- und Leihkasse, L. Thomsen als Bibliothekar, ferner J. Weste, L. v. Hagn, H. C. Gerdsen, H.C.G. Mersebach, C. Berens, P. Jappe. August Friedrich Möller war unter den Gründern des Husumer Handwerkervereins die führende Persönlichkeit und erster aller Wortführer und Vorsitzenden des Vereins. In einer Versammlung vor der Gründungssitzung hielt er vor den Handwerkern eine zündende Ansprache und forderte zur Einigkeit und zum festen Zusammenhalten auf. 7 Persönlichkeiten aus dem Handwerkerverein waren stets stark in kommunale Unternehmen und Organisationen eingebunden. Zum Vorstand der Spar- und Leihkasse gehörten, B. Johannsen als Kassierer, Mersebach, J. H. Nagel, J. Weste als Verwaltungsmitglieder. Die ersten Gründer der Kasse mit eigenem Kapital waren: B. Johannsen (100 Reichstaler), Jacob Christiansen (75 Reichstaler), A. Möller, L. Thomsen, H.H. Rothgordt, J.H. Nagel, J. Weste und H.C.G. Mersebach mit je 25 Reichstalern. Dem Vorstand der Krankenkassen gehörten an: C. Fehmer als Rechnungsführer, P. Jensen und Fr. Meeß, der Gewerbe-Magazinkommission B. Johannsen als Verwalter, C. Tagholm und P. Thießen, dem Schulvorstand der Gewerbeschule L. v. Hagn, H. Busch, A.P. Knutzen, H.H. Rothgordt, P. Bruhns, C. Bruun und J. Grelstorf. Die ersten Leseordner waren E. Franck, F. Butzbach, Fr. Meeß, H. Busch, D. Fick, Lembke.

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70 unterschrieben

Nach der Ausarbeitung der Statuten folgte dem Aufruf zur Gründungsversammlung eine bedeutende Anzahl Handwerker. Es unterschrieben auf Grund der ihnen vorgelegten Statuten 70 Handwerker, wodurch der Verein als gegründet anzusehen war. Aus dem Gründerprotokoll: „Direktionssitzung des Handwerkervereins Husum, den 11. Februar 1857. Die Sitzung begann abends um 7 Uhr, anwesend waren sämtliche Mitglieder. Durch Stimmenmehrheit wurde Fehmer zum Schriftführer, Johannsen zum Rechnungsführer, Grelstorf zum zweiten Wortführer, Thomsen zum Bibliothekar gewählt. Da Fehmer die Wahl nicht annahm, wurde Rothgordt durch Stimmenmehrheit gewählt, aber auch dieser lehnte die Wahl ab, da der Schriftführerposten zu zeitraubend sei." Schon damals war es also nicht immer ganz einfach, ehrenamtliche Posten in Vereinen und Verbänden zu besetzen. Kein besonderes Phänomen des 21. Jahrhunderts. „Da aber die Zeit schon zu sehr herangerückt war, wurde die Sitzung aufgehoben und beschlossen, am nächsten Abend darüber weiter zu bestimmen." Sitzung am 12. Februar 1857: „Die Sitzung begann abends um 7 Uhr. Fehmer ließ sich als Direktionsmitglied durch den Wortführer ausmelden. Es wurde beschlossen, dass der Posten des Schriftführers geteilt werden solle. Zu Schriftführern wurden Mangels und Nagel durch Stimmenmehrheit gewählt, welche beide das Amt annahmen." „Alsdann wurden für ein Komitee, das die näheren Bestimmungen der Gewerbeschule zu entwerfen hatte, von der Direktion vorgeschlagen die Herren Grelstorf, Hagn und Mersebach. Einstimmig wurde der Antrag angenommen, dass jede Woche eine Direktionssitzung im Vereinslokal abgehalten werden möge. 1. Wortführer war Aug. Fr. Möller. In der Generalversammlung am 8. Februar 1857 wurden die Statuten beraten und genehmigt."

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„Einigkeit macht stark"

In das Komitee für die Gewerbeschule wählte die Generalversammlung am 15. Februar 1857 Grelstorf und Hagn. in das Komitee der Spar- und Leihkasse Johannsen, der Krankenkasse Duncker, zu Ordnern E. Franck. Fr. Butzbach. Fr. Meeß, Busch, D. Fick und Lembke. Als Vereinslokal wurde das Lokal von Schau (Centralhalle) gewählt, wo auch das Lesezimmer eingerichtet wurde, das jeden Abend von 7-10 Uhr erleuchtet war. Auf Antrag von Grelstorf wurde für die Statuten das Motto „Einigkeit macht stark" bestimmt. Im Lesezimmer des Vereins wurde eine Sparbüchse ausgehängt, um das darin gesammelte Geld für bedürftige, kranke Handwerker zu verwenden. An der Direktionssitzung am 16. Februar 1857 nahm auch der Bürgermeister Kapitän Grüner teil, der versprach, am Stiftungsfest im Vereinslokal für Musik zu sorgen. In der Generalversammlung am 22. März 1857 wurden die Statuten der Gewerbeschule beraten und mit einigen Änderungen angenommen. In das Komitee der Gewerbeschule wurden gewählt: Techniker Bruun, Maurer L.v. Hagn. Maler Grelstorf, Drechsler Rothgordt, Kammacher Busch, Maurer Kundsen. Nachdem einstimmig beschlossen wurde, dass auch ein Apotheker als Handwerk anzusehen sei, wurde Apotheker Marxen als Mitglied aufgenommen: Auch gegen eine Aufnahme von Polytechnikern wurde kein Einwand erhoben. Am 16. April 1857 wurde die erste Verlosung des Handwerkervereins zugunsten der Gewerbeschule und der Krankenkasse veranstaltet.

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Gewerbeschule des Handwerkervereins

Ab 1857, dem Jahr der Gründung des Vereins, führte die Schule den Namen „Gewerbeschule des Husumer Handwerkervereins". „Zweck der Gewerbeschule ist es im allgemeinen die Förderung und Bildung des Gewerbestandes in der Stadt Husum. Um das Ziel zu erreichen, wird in der Schule Unterricht im Schreiben, Rechnen und, wo möglich, in der Mathematik, der englischen und dänischen Sprache, dem freien Handzeichnen und in Rissen erteilt. Im Schreiben und Rechnen wird des Sonntags, im Zeichnen und Rissen zweimal wöchentlich abends von 8-10 Uhr unterrichtet. Für Utensilien, als Papier, Bleifeder oder Zeichenbretter hat jeder Schüler selbst Sorge zu tragen." Die Leitung der Schule wird einem Schulkomitee übertragen, welches aus sechs fachkundigen Mitgliedern besteht, die von der Direktion vorgeschlagen und vom Verein gewählt werden. Klare Regeln werden aufgestellt, wie in Erlassen von Kultusministern heute. Das zeigt einmal mehr, wie diese Husumer Einrichtung einer Berufsschule ähnelte. „Jedes Jahr findet eine öffentliche Prüfung statt, und haben die Lehrer alsdann die von den Schülern ausgefertigten Arbeiten vorzulegen und zu prüfen. Das Schulkomitee hat dann in Verbindung mit dem Lehrer zu entscheiden, ob und welchen Arbeiten eine Prämie zuerkannt werden soll, welche in einem Diplom und einem passenden Geschenk besteht. Die Arbeiten, denen Prämien zuerkannt sind, bleiben Eigentum der Schule. Die Lehrer der Gewerbeschule sind verpflichtet, präzise zu den Lehrstunden zu erscheinen, den Unterricht zweckmäßig und gewissenhaft zu erteilen und die Schüler zur Erfüllung ihrer Pflichten auf gemessene Weise anzuhalten. Jedem Mitglied des Vereins sowie den Lehrlingen steht es frei, an den Unterrichtsstunden teilzunehmen, solange der Platz die Aufnahme erlaubt. Jeder Schüler muss sich beim Kommen und Gehen ordentlich und anständig betragen. Wer diesen Verpflichtungen nicht nachkommt, wird, wenn die vom Schulinspektor oder Lehrer ihm erteilten Mahnungen und Verweise nicht den gewünschten Erfolg haben sollten, höheren Orts gemeldet und bestraft werden, wenn solches auch nicht hilft, aus der Schule verwiesen werden und darf nie wieder am Unterricht teilnehmen. Wer dreimal nacheinander ohne Erlaubnis seines Lehrmeisters die Schule versäumt, wird bestraft. Während des Unterrichts darf im Lehrerzimmer vor den Schülern nicht geraucht werden." Unterschrieben ist dieses Reglement von C. Bruun, L. v. Hagn, H. Busch. A. P. Knutzen, H. H. Rothgordt, P. Bruns. C. Bruun wurde zum Vorsitzenden des Komitees ernannt. Die Eröffnung der Schule erfolgte am 3. Mai 1857 in dem Schullokal. Die Schüler wurden vom Bürgermeister Kaptein Grüner über den Zweck der Schule sowie die Notwendigkeit, sich durch Fleiß Kenntnisse zu erwerben, ermahnt. Der Kirchenpropst Caspers und Lehrer Jensen wünschten der Gewerbe- und Sonntagsschule segensreichen Erfolg. Zur Aufnahme hatten sich 51 Lehrlinge gemeldet, 21 Tischler, 4 Schuster, 3 Stuhlmacher, 3 Klempner, 3 Böttcher, 3 Weber, 2 Drechsler, 2 Maler, 2 Schneider sowie je 1 aus 6 anderen Handwerken. Für die Zeichenschule des Handwerkervereins wurde ein größeres Lokal gemietet und mit Herrn Frerks auf der Neustadt wegen Mietung eines Lokals ein Vertrag geschlossen. Den Unterricht erteilten die Lehrer Jensen und Heinze.

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Da verbrannte die Schule

Am 5. Februar 1858 verbrannte bei einem Großfeuer das Schullokal nebst allem Inventar. Es wurden sofort Neuanschaffungen beschlossen. Von dem Industrieverein in Kopenhagen erhielt die Gewerbeschule durch Kammerrat Grove eine Anzahl Zeichnungen als Geschenk.

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Zeichen-, Näh- und Strickschule

In der Generalversammlung am 24. März 1858 wurde beschlossen, auch eine Knaben- und Mädchenschule für Vereinsmitglieder, nämlich eine Zeichenschule für Knaben von 12-16 Jahren und eine Näh- und Strickschule für Mädchen 8-14 Jahren einzurichten. Das Lokal der Näh- und Strickschule sowie der Zeichenschule befand sich im Hause von Hans Karstens an der Schiffbrücke. Hier fand auch der regelmäßige Bücheraustausch statt. Im Jahre 1862 wurde die Näh-, Strick- und Zeichenschule in das Lokal von Fr: Hass, Norderstraße verlegt. 1863 trat Malermeister Grelstorf sein Amt als Zeichenlehrer der Gewerbeschule an. Zu den Inspektoren zählte auch Maurer v. Hagn. 1865 wurde Harms als Pedell eingestellt und für die Summe von 40 Reichstalern kontraktlich verpflichtet. Maler Mersebach und Maurer v. Hagn übernahmen den Zeichenunterricht an der Abend-Schule. 1866 unterrichteten sämtliche Lehrer der Stadt der Mittel- und Elementarklassen auch an der Gewerbe- und Abend-Schule. Es waren dies die Lehrer Beerbaum, Pahl, Gentzen, Thomsen, Heinzen und Jürgensen.

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„Unanständige Frauen"?

Es wurde gerügt, dass auf dem Stiftungsfest im Jahre 1860 mehrere weibliche Personen anwesend gewesen seien, „welche der Anständigkeit wegen nicht passend waren". Das Protokoll führt leider nicht weiter aus, was Stein des Anstoßes gewesen ist. Kein Pardon kannten die Veranstalter auch bei der Dauer des Festes. Das Stiftungsfest bis 2 Uhr nachts auszudehnen, fand keine Zustimmung. Es blieb daher bei der Ballzeit von 7-12 Uhr.

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Erste Gewerbeausstellung

1862 wurde beschlossen, erstmals eine Gewerbeausstellung zu organisieren.

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Kanal zwischen Ost- und Nordsee

Der Verein befasste sich auch mit außerhandwerklichen Angelegenheiten. So richtete der Verein 1864 die Anfrage an den Bürgermeister Stuhr, wie weit der Plan gediehen sei, einen Verbindungskanal zwischen Ost- und Nordsee zu schaffen, ob und welche Schritte vom Magistrat getan worden seien, um die Mündung des Kanals nach Husum zu lenken. Der Bürgermeister antwortete, dass alles Mögliche vom Magistrat aufgeboten worden sei, um die Angelegenheit zu einem für Husum befriedigenden Ende zu führen.

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Schloss sollte Kaserne werden

1865 verfaßte die Generalversammlung des Vereins eine Petition, in der der Umbau des Husumer Schlosses zu einer Kaserne gefordert wurde. Das sei für die Einwohner Husums sehr wichtig. Husum bekam aber weder die erwünschte Kanalmündung noch wurde das Schloss eine Kaserne. In der Generalversammlung im September 1865 hörte man jedoch von einem nicht näher bezeichneten Schriftstück, in welchem sehr beleidigende Ausdrücke gegen den Handwerkerverein wegen seines Ansinnens gebraucht wurden, aus dem Schloss eine Kaserne machen zu lassen.

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Anschluss an Verbände

Vom Gewerbeverein zu Kiel erging die Einladung, eine engere Verbindung der''in den Herzogtümern existierenden Handwerken;ereine anzustreben. Der Husumer Verein trat dem neugegründeten Bunde bei. In Schleswig-Holstein entstand der Gauverband der Arbeiterbildungsvereine. Zwei Vertreter des Vereins nahmen an einer Tagung der Arbeiter-Bildungsvereine 1867 in Rendsburg teil. Auch dies ist wieder ein Beispiel dafür, wie eng der Handwerkerverein in den Aufbau des Berufsbildungswesens in Schleswig-Holstein eingebunden war. 1868 trat der Husumer Handwerkerverein auch dem Verband der deutschen Arbeiter-Vereine bei. Ferner wurde beschlossen, einen Konsumverein zu bilden. Im Sommer 1867 machte der Husumer Handwerkerverein mit einem Extrazug eine erste Ausflugsfahrt nach Flensburg. Der Verein musste für 400 Billette garantieren. In den 60er Jahren waren auch die Verlosungs-Veranstaltungen des Handwerkervereins sehr beliebt.

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Kommunalpolitik

1869 wurden auf Antrag des Senators und nachmaligen Bürgermeisters Gurlitt vom Verein drei Kandidaten zur Wahl als Stadtverordneter aufgestellt. Es waren dies P. Michaels, Joh. Storm und Weste. Senator Gurlitt hatte weiter angeregt, in geselligen Zusammenkünften auch kommunale und sonstige dem Handwerkerstande zu Nutzen sein könnende Angelegenheiten zu besprechen. Damit begann die auf lange Jahre hinaus aktive Tätigkeit des Husumer Handwerkervereins auf kommunalpolitischem Gebiet.

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Nichts als Wasser

1863 wurde beschlossen, dass während der Sitzungen der Direktion sowie im Lesezimmer nichts als Wasser genossen werden dürfe. Dieser Beschluss wurde in einer folgenden Sitzung dahingehend geändert, dass „der Wirt in seiner Eigenschaft das Lokal nicht betreten dürfe, so dass es einem jeden von der Direktion doch unbenommen bleibe, falls sie es wollten, sich selber Getränke zu verschaffen." Auch der Weihnachtsbasar 1871 hatte großen Erfolg. Der Reingewinn für die Schulen betrug 220 Taler. Veranstaltet wurde der Basar in „Schau 's Salon". Man gelangte nur an Drehbrettern vorbei ins Lokal. Das Turner-Musik-Korps unter Leitung von Fritz Lepper musizierte. Im Sommer 1872 trat in Husum die Blatternkrankheit auf. Um dieser Krankheit entgegenzuwirken, wurde vom Handwerkerverein ein entsprechender Entwurf verfasst. Im März 1873 wurde mit dem Gastwirt Baechle ein Vertrag über die Miete seines Lokals abgeschlossen. Im April 1873 legte Doktor Storm seine Funktion als Arzt an der Krankenkasse des Vereins nieder. Fast alljährlich fanden ein Basar wie auch ein Sommervergnügen statt, so im Jahre 1877 bei Th. Baechle auf „Friedrichsberg", wo Lepper mit 12 Musikern die Musici besorgte. Mit dem Fuhrunternehmer Goldschmidt wurde 1879 ein Kontrakt geschlossen, dass er bei „etwa vorkommenden Sterbefällen den Mitgliedern des Vereins für 3 Mark seinen „Totenwagen" zu stellen habe.

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Keine Damen ohne Herrenbegleitung

Außerdem wurde beschlossen, im „Circulair" mit anzuführen, dass die Teilnehmer am Handwerkerball für die Anständigkeit ihrer Damen haften müssten und keine Damen ohne Herrenbegleitung zugelassen werden dürfen. Maskeraden mussten angemeldet werden. Im Protokoll der Direktionssitzung vom 22. Februar 1865 heißt es: „Da die bei den Mitgliedern circulierte Aufforderung zur Teilnahme an der Maskerade mit reichlich 100 Unterschriften bedeckt ist, wird die Direktion bald thunlichst ein Gesuch an das hiesige Polizeiamt um Erlaubnis zu derselben einreichen".

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Die verantwortliche Direktion

Ferner wird im gleichen Protokoll aufgeführt: „Um den Wahlspruch unseres Vereins ‚Einigkeit macht stark' in jeder Hinsicht für und im Verein zur Geltung zu bringen, die Kraft des Vereins zu heben und zu beleben und auch nach außen hin zu befestigen und zu vergrößern, verpflichten sich sämtliche Mitglieder der Direktion, in keiner Angelegenheit von städtischen oder allgemeinen Interessen selbstständig vorzugehen, bevor dieselbe in einer Direktionssitzung zur Sprache und Beratung gebracht worden ist".

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Der Handwerker-Sängerchor

Mit 49 gegen 14 Stimmen wurde 1862 der Antrag angenommen, auch Gesangsübungen im Verein abzuhalten. Dieses Jahr kann also als Gründungsjahr des Handwerkersängerchors gelten. Gesangsdirektor Beerbaum gab den Mitgliedern des Vereins unentgeltlichen Gesangsunterricht. Es wurden regelmäßige Übungsabende abgehalten. Die Statuten für den Sängerchor des Vereins wurden am 7. Januar 1871 genehmigt. Lehrer Gensen wurde bald Beerbaums Nachfolger als Gesangslehrer. Zusammen mit dem Gesangsverein wurde alljährlich auch eine Maskerade veranstaltet. Musikdirektor Lepper stellte die Kapelle.

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Handwerkerverein kaufte Schulgebäude

Im Oktober 1876 machte der Magistrat dem Handwerkerverein das Angebot, die frühere Petersensche Schule in der Süderstraße zu erwerben. Das Anerbieten der Stadtvertretung wurde einstimmig angenommen. Am 22. Dezember 1876 erfolgte in der außerordentlichen Generalversammlung die Vorlage des Bauplanes nebst Kostenanschlag über den Umbau des dem Handwerkerverein überlassenen Bürgerschulgebäudes in der Süderstraße. (Heutiges Handwerkervereinshaus). 32 Stimmen waren für, 27 gegen die Annahme des Planes. In der außerordentlichen Generalversammlung am 26. Januar 1877 erfolgte die Wahl von F. Bors zum Ökonomen des Vereinsgebäudes. Außerdem waren Volquardsen und E. Besthorn zur Wahl präsentiert.

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Kleine Begebenheiten

Dem Bürgermeister Emanuel Gurlitt wurde im Jahre 1879 zur silbernen Hochzeit eine Ovation der Bürgerschaft dargebracht, an der auch der Handwerkerverein teilnahm. Es fand ein Fackelzug statt. 1881 wurde zum ersten Mal im Handwerkerverein über die geplante Gründung einer "Herberge zur Heimat" in Husum debattiert. Am 1. Februar 1882 wurde das 25jährige Stif tungsfest des Vereins gefeiert, beginnend mit einer „Reveille" am frühen Morgen durch die Stadt. Die Königl. Regierung zu Schleswig war eingeladen, da sie für die Schulen des Handwerkervereins Außerordentliches getan habe. Im gleichen Jahr nahmen die Mitglieder des Handwerkervereins auch an der Feier zur Enthüllung des von den Kampfgenossen 1870/71 den gefallenen Kameraden erreichten Denkmals im Schlossgarten teil. Zur Ausbesserung der Straßenfront des Vereinshauses in der Süderstraße wurden von der Spar- und Leihkasse des Vereins und aus der Vereinskasse zusammen 350 Mark bewilligt. 1883 fanden im Garten der Madame Hensen ein Konzert, auf Friedrichsberg ein Ball, bei Bydekarken in „Stadt Hamburg" ein Kränzchen statt. 1884 wurden dem Verein für seine Schulen aus den Überschüssen der Industrielotterie Flensburg 1.000 Mark bewilligt. Handwerker, die in Rödemis oder sonst wo auswärts wohnten, konnten nicht in den Verein aufgenommen werden. In der Generalversammlung am 15. November 1885 hatten sich zur Aufnahme gemeldet: Maler Jacob Jensen, Buchbinder Peter Hansen und Seifensieder Jürgen Reckers. Gegen die Aufnahme von Jacob Jensen als Maler wurde Einspruch erhoben. Die Direktion wollte sich erst den Lehrbrief verschaffen. Da konnte noch niemand ahnen, dass Jacob Jensen Senator und eine der stärksten Stützen des Husumer Handwerkervereins wurde.

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Einweihung des Vereinshauses

Das Handwerkervereinshaus in Husum um 1900, eingeweiht wurde es 1889.

Auch nach dem Krieg blieb das Handwerkervereinshaus das Versammlungslokal des Handwerkervereins und der Innungen und Festsaal vieler Husumer Veranstaltungen. Zum Ausbau des Handwerkervereinshauses beschloss die Generalversammlung am 13. Januar 1889, 6600 Mark zu bewilligen. Weiter wurde beschlossen, die große Gaststube durch Versetzen des Daches zu erhöhen. in diesem Jahr fand die Einweihung des Hauses statt.

Die Direktion hatte das alleinige Verfügungsrecht über die Utensilien und Lokalitäten des Vereins. Im Lokal wurde streng auf Ruhe und Ordnung gehalten. 1897 erhielt das Haus Gasglühlicht. Die Statuten der Kranken- und Sterbekasse des Vereins wurden neu geordnet. Es entstand die Ortskrankenkasse. Die beim Sommervergnügen auf „Friedrichsberg" verabreichten Getränke wurden gerügt. Die Wirte wurden gebeten, Husumer Bier auszuschenken. Als neues Lokal bot sich 1895 nun auch der „Schützenhof" zur Abhaltung der Vereinsveranstaltungen an. In jenem Jahr trat auch Brauer Fuglsang dem Verein bei. Am 12. Dezember 1899 wurde die Spar- und Leihkasse des Handwerkervereins in eine GmbH umgewandelt. 20 Herren wurden als Gesellschafter gewählt. Zum Besuch der Pariser Weltausstellung wurden Maler Friedrich Thomsen bestimmt. Die Direktion bewilligte ihm dafür im Jahre 1903 50 Mark. Am 9. Februar 1903 schied die Kranken- und Sterbekasse aus dem Verein aus.

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Rechtsfähigkeit verliehen

Im Jahr 1903 wurde dem Husumer Handwerkerverein wie folgt die Rechtsfähigkeit verliehen: Gemäß § 22 des Bürgerl. Gesetzbuches und Artikel 1 der Allerhöchsten Verordnung zur Ausführung des BGB vom 16. November 1899 (G.—S. S. 562 ) verleihen wir dem Husumer Handwerkerverein hiermit auf Grund der Satzungen vom 9. Februar 1903 die Rechtsfähigkeit. Berlin, den 23. Juli 1903 Der Justizminister Der Minister des Inneren Im Auftrag in Vertretung Dietsch gez. Bischoff hausen Der Minister für Handel und Gewerbe In Vertretung: Lohmann

Ab 1904 führte der 1. Wortführer die Bezeichnung Vorsitzender. Der Vorsitzende erhielt jährlich 100 Mark Dienstaufwandsentschädigung. Mieter des Vereinshauses wurde J. Lütt. Im Jahre 1905 wurden dem Verein vom verstorbenen Senator Jebens und Frau 3211,09 Mark vermacht. (evtl. in Ohlsen). H. Schenckel, der 25 Jahre lang dem Vorstande angehörte, wurde 1907 zum Ehrenmitglied ernannt. Für den Umbau des Vereinslokals wurden 1909 5000 Mark bewilligt. J. Peters wurde als Hausverwalter gewählt. Die Gewerbeausstellung erbrachte einen Überschuß von 2233,45 Mark. Im Jahre 1910 beantragte der Verein die Herstellung einer Verbindung in Höhe des Handwerkerhauses nach dem neuen Bahnhof.

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Aus dem Handwerk verein werden folgende Gruppen gegründet:

1. Der Sängerchor

In dem Reglement für den Sängerchor heißt es: § 1 Der Zweck des Gesanges ist, den deutschen Volksgesang zu fördern, durch denselben Bildung zu vermitteln und die gesellige Unterhaltung zu heben. Zur Erreichung dieses Zweckes dient: Ausbildung des mehrstimmigen Männergesanges, doch sind andere den Zweck des Männergesanges fördernde Aufführungen nicht ausgeschlossen. Auch für Festlichkeiten und Vergnügen gab es ein Reglement.

2. Stiftungsfonds

Das Reglement über den Stiftungsfonds besagt. § 1: Der Stiftungsfonds, welcher gelegentlich der 25-jährigen Jubelfeier des Handwerkervereins gestiftet wurde, aus Mitteln der Spar-und Leihkasse des Vereins, wird vom Vorstande des Vereins verwaltet. § 2: Die Gelder des Fonds sind belegt bei der Spar- und Leihkasse des Vereins, eGmbH. § 3: Zu Vergrößerung des Fonds werden aus der Vereinskasse alljährlich 20 Mark und ebenfalls etwaige sonstige Schenkungen denselben zugefügt. § 4: Die Zinsen des Fonds werden alljährlich am Stiftungstage an alte, würdige und bedürftige Mitglieder durch den Vorstand verteilt.

3. Versicherungsverein a.G.

In der Satzung der „Kranken- und Sterbekasse des Husumer Handwerkervereins, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit", heißt es im: § 1: Der unter dem Namen „Kranken- und Sterbekasse des Husumer Handwerkervereins" in Husum bestehende Verein wird umgewandelt in einen Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. § 2: Der Zweck des Vereins ist, wie bisher seine Mitglieder in Krankheitsfällen für bestimmte Zeit sowie in Todesfällen zu unterstützen.

4. Hilfs- und Vorschusskasse

Das Regelement für die Hilfs- und Vorschusskasse besagt. § 1: Der Zweck der Hilfs- und Vorschusskasse ist, den Mitgliedern derselben die zu ihren Geschäftsbetrieben erforderlichen baren Geldmittel zu verschaffen und zugleich Gelegenheit zu geben, durch kleine fortlaufende Einschüsse ein Kapital für die Zukunft zu sammeln. auch für Bibliothek und das Lesezimmer war ein Reglement angefügt, das genaue Ordnungsregeln enthielt.

5. Das Lehrlingsheim

Am 12. September 1895 wurde die Einrichtung eines Heims für Handwerkerlehrlinge beschlossen. Rauchen, Trinken und Kartenspielen waren untersagt. Städtische Sparkasse, Oberpräsidium und Kreis stellten für das Lehrlingsheim je 100 Mark zur Verfügung. Das Lehrlingsheim wurde am 4. Oktober 1896 eröffnet. Lehrer Christiansen übernahm die Gesangsübungen im Lehrlingsheim. Bei Feiern im Lehrlingsheim hielten Lehrer der Husumer Bürgerschule die Ansprache, so u. a. Rektor Siemonsen, die Lehrer J. Klindt, Kock, Sörensen und Tams. Höhepunkte waren besonders die Kaiser-Geburtstags-Feiern. Kaiserreden wurden gehalten und patriotische Lieder gesungen. Es gab Bier und Geschenke. Photograph Knittel führte Lichtbilder vor. Geldliche Unterstützungen kamen von der Regierung, der Handwerkskammer, der Stadt, der Städtischen Spar- und Leihkasse, den Innungen u. a. An der Weihnachtsfeier des Lehrlingsheims im Dezember 1914 nahmen die Verwundeten aus dem Husumer Lazarett teil.

Die letzte Protokollniederschrift von einer Vorstandssitzung des Lehrlingsheims stammt vom 2. Oktober 1933.

6. Sozialfonds

Besteht seit 1983 und soll vor allem der „kurzfristigen Hilfe in Not geratener Handwerkskollegen oder deren Witwen bei körperlicher Behinderung, Bettlägerigkeit oder sonstiger schwerer Erkrankung dienen." Über den Fonds entscheidet der 1. Vorsitzende mit dem geschäftsführenden Vorstand. „Jeder Bürger unserer Stadt", heißt es in den Bestimmungen, „ist berechtigt. dem 1. Vorsitzenden Kenntnis von evtl. unterstützungsbedürftigen Fällen zu geben." In Frage kommende Kollegen müssten mindestens 15 Jahre im Raum Husum ansässig sein. Gespeist wird der Fonds durch das Entgegenkommen von Angehörigen verstorbener Persönlichkeiten, die dem Handwerk oder dem Husumer Handwerkerverein von 1857 nahe standen. Dem Fonds können jederzeit weitere Spenden zugeführt werden, solange keine Bedingungen daran geknüpft werden, die den geschäftsführenden Vorstand in seiner Entscheidung behindern könnten.

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In und nach dem Ersten Weltkrieg

50-jähriges Jubiläum

Sein 50. Stiftungsfest feierte der Husumer Handwerkerverein am Montag, dem 5. Februar 1907, in Hensens Etablissement. Musikvorträge der Matzdorffschen Kapelle, Gesangsvorträge des Sängerchors des Vereins und ein Theaterstück umrahmten die Feier. Der Vorsitzende, Fabrikant Treffkorn, erstattete den Jahresbericht und sagte: „ Kein ähnlicher Verein in der Provinz ist so gut fundiert wie der Husumer Handwerkerverein". Die Mitgliederzahl betrug 552. Am Montag, dem 10. Dezember, wurde in der Centralhalle die Jubiläumsausstellung des Husumer Handwerkervereins durch den Vorsitzenden Treffkorn eröffnet. Im kleinen und großen Saal und auf der Galerie war alles zu sehen, was Handwerk und Gewerbe in Husum erzeugten. Eine Tombola und das große Rad fanden viel Zuspruch. Die Ausstellung war für den Verein ein voller Erfolg. Keine der früheren Ausstellungen hatten einen solchen Besuch aufzuweisen gehabt. Die 6000 Lose der großen Verlosung wurden sämtlich verkauft. Das große Los, eine Salon-Einrichtung, gewannen vier Techniker vom Eisenbahnbau-Büro in der Bahnhofstraße. Die Gesamteinnahme betrug 15 200 Mark. Hiervon wurden für angekaufte Waren an die Aussteller 10 850 Mark ausbezahlt. Der großen Beteiligung entsprechend war auch der Überschuss für die Schulen und sonstige Institute des Vereins. Derselbe betrug 2.100 Mark, eine Summe, wie sie bei keiner Ausstellung je erreicht worden war. Dem Handwerk war auf diese Weise auch einmal ein guter Teil des Weihnachtsgeschäftes zugefallen. Den Vorstandmitgliedern Fehrs und Fetzer sowie dem langjährigen Schriftführer A. Haase wurde für ihre aufopfernde Tätigkeit für den Verein der Dank desselben ausgesprochen. Nachfolger von A. Haase wurde Ferdinand Petersen. Malermeister D. Dierksen erstattete dem Verein Bericht über seinen Besuch der Weltausstellung in Brüssel. Die Generalversammlung am Freitag, 23. Oktober 1914, eröffnete der Vorsitzende Lorenz Ebsen mit einem Hinweis auf die ernste politische Lage. Der Handwerkerverein gewährte Beihilfen für die durch den Krieg in Not geratenen Handwerker in Ostpreußen und Elsass-Lothringen. 82 Mitglieder des Vereins wurden zu den Fahnen gerufen. Schon in den ersten Monaten waren fünf von ihnen gefallen. Auch der Vorsitzende Ebsen wurde zum Militärdienst eingezogen. Für ihn übernahm der zweite Vorsitzende Jacob Jensen die Führung des Vereins. Im Jahre 1916 hatte sich die Zahl der zum Kriegsdienst einberufenen Mitglieder auf 178 erhöht. Infolge der Kriegsverhältnisse wurde dem Vereinswirt bis auf weiteres die Miete für das Vereinslokal erlassen. Als Kriegsmaßnahme wurden auf Anregung von Lehrer Klindt die Schulen des Vereins während des Winterhalbjahres geschlossen. Im Jahre 1918 wurde Johs. St. Johannes als Vereinswirt gewählt. An der Hauptversammlung am 12. Januar 1919 nahmen die aus dem Felde zurückgekehrten Mitglieder teil. Am 2. November 1919 wurde auch das Lehrlingsheim des Handwerkervereins wieder eröffnet. Die Mitgliederzahl des Vereins betrug in jenem Jahr 476. Im Jahre 1921 erfolgte der Zusammenschluss der selbstständigen Handwerker im Nordwestdeutschen Handwerkerbund. In Würdigung seiner besonderen Verdienste um den Husumer Handwerkerverein wurde Peter Hansen zum Ehrenmitglied ernannt.

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Stiftungen sind wieder modern

Schlachtermeister Ludwig Ohlsen und seine Frau Johanna, geborene Bumb, sind in der Zeit der Weimarer Republik angesehene Persönlichkeiten in Husum, voll integriert ins gesellschaftliche Leben der Stadt, vor allem in den Kreis der Handwerker. Am 30. Januar 1882 tritt er dem Handwerkerverein bei. Ohlsen ist zudem begeisterter Jäger. Ältere erinnern sich noch, dass er meistens mit seinem Jagdhund unterwegs war. Das Ehepaar ist kinderlos, was sie am Ende ihres Lebens zu einem bedeutenden Entschluss veranlasst. Sie setzen den Husumer Handwerkerverein als Haupterben ein, vermachen ihm ihr Wohnhaus Osterende 129, fünf Koppeln in der Gemarkung Osterhusum sowie Kapital. Am 25. Februar 1927 geht dem Vorstand durch den Rechtsanwalt und Notar Knut Plambeck in Husum ein Schreiben zu, welches für den Verein bis heute von großer Wichtigkeit ist. Plambeck überreicht im Auftrag des Testamentsvollstreckers, Landrat Dr. Clasen, eine Abschrift der beiden Testamente der verstorbenen Eheleute. Sie stammen vom 31. März 1922 und 30. April 1923. Stiftungen wie diese gelten in den Jahrzehnten vor der 150-Jahr-Feier des Vereins — abgesehen von leuchtenden Beispielen im Bereich der Wissenschaft — als antiquiert. Erinnerungen an frühere Stifter verblassen in vielen Regionen. Schnell ein paar Mark oder Euro für unterschiedliche Zwecke spenden —das prägte die 80-er und 90-er Jahre. Dieser Einsatz von privatem Geld war nicht immer nachhaltig, wie die Debatte um die Schere zwischen Verwaltungskosten der Empfänger-Organisationen und der Gelder, die später tatsächlich vor Ort ankommen, belegt. Ab der Jahrtausendwende, als die öffentlichen Kassen immer leerer wurden, kam die Diskussion hinzu, ob Spenden in der Heimat nicht genauso berechtigt sind, wie Hilfen für Menschen in anderen Regionen der Welt.

Ausgerechnet zum Jubiläum des Handwerkervereins rücken Stiftungen als wichtiges Finanzierungsinstrument gemeinnütziger Aufgaben wieder in den Mittelpunkt. Organisationen kümmern sich im Rahmen des neudeutsch so genannten Fundraisings wieder um testamentarische Verfügungen von Gönnern. Alleinstehende werden umworben, damit ihr Nachlass nicht dem Fiskus überlassen werden muss. In Schleswig-Holstein trat kurz vor der 150-Jahr-Feier des Husumer Handwerkervereins die Nord-Ostsee-Sparkasse mit ihrer Nord-Ostsee Stiftung an. Sie will unter einem Dach die Ein-Euro-Spende genauso wie große Vermächtnisse bündeln. Menschen, die eine Stiftung gründen oder eine bestehende Stiftung unterstützen, schaffen sich ein Denkmal der eigenen Werte und Überzeugungen. Sie möchten der Gesellschaft etwas zurückgeben, konkrete Probleme bekämpfen, junge Menschen fördern oder Not lindern. „Ihr Engagement zeugt von dem, was ihnen im Leben wichtig ist und weist gleichzeitig über das eigene Leben hinaus. Im Wandel der Zeiten bleibt eine Stiftung bestehen — getreu den Wünschen und Absichten des Stifters", heißt es in einer Veröffentlichung der Nord-Ostsee-Sparkasse aus dem Jahr 2006. Ludwig und Johanna Ohlsen hatten genau diese klaren Vorstellungen, was mit ihrem Vermögen geschehen soll. Abgesehen davon, dass sie sich die laufende Pflege ihrer Grabstätte wünschten, wollten sie die Arbeit der Handwerkerschaft unterstützen. 1927, als beim Verein die Ohlsen-Testamente eingingen, erkannte der Vorstand dankbar den auch schon zu Lebzeiten oft bewährten Gemeinsinn des Stifters und sprach die Zuversicht aus, dass die „hochherzige, gemeinnützige Stiftung für alle Zeiten dem gesamten Handwerkerstande der Stadt Husum zum Segen gereichen werde. Doch wie so viele Stiftungen wurde auch diese im Laufe der Zeit zumindest materiell aufgezehrt. Der langjährige Geschäftsführer des Vereins, Hans-Peter Petersen, zählt die Gründe auf: Dem Wohnhaus setzte der Zahn der Zeit zu. „Eines Tages fiel sogar die Giebelfront auf die Straße", erinnert er sich. Der Landbesitz wurde enteignet, als an der Flensburger Chaussee die Kaserne gebaut wurde. Und die Währungsreform nach dem Zweiten Weltkrieg machte große Teile des Kapitals zunichte. Vermutlich bei den umfassenden Umbauten im Handwerkerhaus ist schließlich sogar noch die große Trophäen-Sammlung des Jägers und Stifters verschwunden. Was bleibt bestehen? Der ideelle Teil der testamentarischen Verfügung der Ohlsens, die Ideale der Handwerkerschaft hochzuhalten. Ihnen zu Ehren besuchen die Mitglieder des Handwerkervereins am 25. Februar jeden Jahres die Grabstätte der Ohlsens. Und das Ludwig-Ohlsen-Zimmer im Handwerkerhaus bewahrt die Erinnerung an das Stifter-Ehepaar.

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Gleichgeschaltet in der NS-Zeit

Für den immer noch lebendigen, guten Handwerkergeist im Verein mögen die Worte zeugen, mit denen das Protokoll am 16. September 1932 beginnt: „Von jeher war das Handwerk der Grundpfeiler eines geordneten Staatswesens im deutschen Vaterland. Wir sind daher der festen Überzeugung, dass, wenn die Seiten dieses Buches sich füllen, das jetzt schwer um seine Existenz ringende Handwerk zu neuem Leben erweckt sein wird und sich die ihm zukommende Stellung wieder zurückerobert hat, so dass das alte Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden" zur vollen Geltung kommt. Wir geloben daher, im treuen Pflichtbewusstsein, unsere ganze Kraft einzusetzen, mitzukämpfen um des Handwerks heiliger Recht, getreu dem Grundsatz „Einigkeit macht stark". Unterschrieben von Jacob Jensen, 1. Vorsitzender, Ferdinand Petersen, 2. Vorsitzender, Heinrich Lassen, 1. Schriftführer, F. J. Orth, 2. Schriftführer, Jess Petersen, Kassierer, ferner Jens Ebsen, B. Johannsen, August Gemsjäger. D. Sönnichsen, Friedrich Brandt, B. Carstens und Broder Matthisen. 1932 wurde dem neuerstandenen Junghandwerkerbund auf Antrag ein Raum für Unterrichtszwecke im Handwerkervereinshaus zur Verfügung gestellt. Die Sparkasse des Vereins konnte eine Schlussabrechnung vorlegen, die einen ansehnlichen Gewinn nachwies. Die Gräber, die auf Grund der dem Verein zugewiesenen Vermächtnisse in Ordnung zu halten sind, wurden für gut befunden. 1933 wurden mit größeren Umbauarbeiten im Handwerkervereinshaus begonnen, das damals von Markus Nehlsen bewirtschaftet wurde. Für das Bauvorhaben bewilligte die Spar- und Leihkasse der Stadt Husum 8.000 RM. Wegen Krankheit legte der 1. Vorsitzenden Jacob Jensen sein Amt nieder. Ferd. Petersen trat nun in die Rechte und Pflichten eines 1. Vorsitzenden.

 

Im Dritten Reich zerschlagen

Gegen Versuche einer Umgruppierung der Handwerkerorganisation durch die NSDAP protestierte der Verein in einem Schreiben an die Regierung. Der Handwerkerverein sei ein Privatunternehmen und diene nur idealen Zwecken. Vom Ende 1933 ab führte Glasermeister Johannes Jensen den Vorsitz des Vereins. Der 2. Vorsitzende Claus Johannsen und Kassierer Jess Petersen stellten ihre Ämter zur Verfügung. 1934 übernahm Hermann Seier den Vorsitz. Um dem Verein das Vermögen zu erhalten, wurden die Bücherei und die Schulen abgebaut und der Verein in die Ortshandwerkerschaft überführt. Die Kreisleitung der NSDAP erteilte zu dem Ausbau einer Bühne und zur Saalerweiterung keine Genehmigung. In der Vorstandssitzung am 14. Januar 1935 wurde sogar erwogen, das Handwerkerhaus zu verkaufen und dafür ein anderes Gebäude zu erwerben, das dann als reines Handwerkerhaus ausgebaut werden solle. Am 2. April 1935 wurde die Sterbekasse des Vereins aufgelöst.

 

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Wiederaufbau

Erst 1947 wurden die Vorstandssitzungen wieder aufgenommen. Vorsitzender war Ferdinand Petersen. Als Vermögenswerte waren das Vereinshaus mit Inventar und etwas Barvermögen, aus der Ludwig-Ohlsen-Stiftung das Wohnhaus Osterende 129 und die aus den zwangsverkauften Ländereien vereinnahmten Kapitalien noch vorhanden. Sämtliche Bücher aus der Bibliothek mit den Schränken, die Nähmaschinen aus der Näh- und Strickschule waren veräußert worden. Im Stiftungshaus Osterende 129 waren erhebliche Bombenschäden auszubessern. Am 3. Mai 1947 fand eine außerordentliche Versammlung des Handwerkervereins statt mit dem Zweck, die Vereinstätigkeit wieder, wie vor der Auflösung in den Jahren 1933-35, aufzunehmen. Am 16. Februar 1948 bezeichnete es der Vorstand als seine vornehmste Pflicht, alles daranzusetzen, den Husumer Handwerkerverein wieder zu dem zu machen, was er einstmals in der Husumer Geschichte vorstellte, zu einem Hort der Kultur und der Geselligkeit des gesamten Handwerks. Am 8. Juni 1948 erfolgte die endgültige Umschreibung der Vermögenswerte an den Verein. Das Vorstandsmitglied Max Struve stiftete dem Verein einen von Bildhauer Kiehne künstlerisch gearbeiteten Hammer für die Sitzungen. Der Stifter des Hammers wünschte, dass der Vorsitzende jedes Mal mit den Worten „Ehrbarkeit, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit" durch Hammerschlag die Sitzung eröffnen und somit den Handwerkern immer wieder die traditionellen Haupttugenden des Handwerks ins Gewissen hämmern möge. Die Bücherei wurde neu aufgebaut. Dazu wurde beschlossen, aus der Ohlsen-Stiftung je 200 Mark für die Anschaffung von Büchern und für die Herstellung von Regalen zu entnehnien, Kaufmann Fritz Iben stiftete 40 Bücher. Vom Vorstandsmitglied Gustav Kiehne wurde 1'949 in Zusammenarbeit mit dem Stifter Tischlermeister Ferdinand Petersen und Sohn für den Verein ein kunstvoll geschnitzter Schrank hergestellt, der im Vereinshaus seinen Platz gefunden hat. Petersen baute ihn, Kiehne schnitzte die Türfüllungen, die den Werdegang des Vereins seit seiner Gründung 1857 symbolisieren: Blütezeit bis 1930, Ende 1933, Neubeginn 1945. Hans Peter Petersen ist 2007 im Zeitpunkt des 150-jährigen Bestehens des Handwerkervereins der wichtigste noch lebende Augenzeuge für Zusammenbruch und Wiederaufbau. Nach einer Verwaltungslehre war er Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft und des Handwerkervereins geworden. Anlässlich der Vorbereitungen zur 150-Jahr-Feiern in 2007 erinnert er sich noch genau daran, wie die britischen Besatzungstruppen das Handwerkerhaus in Beschlag genommen hatten. „Mitten in der Hungerzeit roch es dort immer besonders gut, weil die Soldaten zentral aus der Großküche mit Essen versorgt wurden." Einquartiert war dort ein Kommando, das mit Hunden nach gefallenen Kameraden suchen sollte, um sie in die Heimat zur Bestattung transportieren zu können. Bald begann im Handwerkerhaus wieder das geregelte Leben wie es in der Zeit vor und zwischen den Weltkriegen herrschte. Petersen koordinierte im Büro der Kreishandwerkerschaft die Arbeit der Innungen und betreute gleichzeitig die Arbeit des Handwerkervereins. „Ich sehe noch Kassenbücher, Adressiermaschine und die Wachsmatrizen vor mir, mit denen die Rundschreiben vervielfältigt wurden." Seine Hauptaufgabe in der Verwaltung der Kreishandwerkerschaft war, sich unter der Leitung von Kreishandwerksmeister Peter Martens um die Aus- und Fortbildung des Berufsnachwuchses zu kümmern. Daneben diente das Haus bald wieder vielfältigen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Zwecken. Hans Peter Petersen erinnert sich unter anderem daran, dass dort Fischereigenossenschaft, Ringreiter, Jäger, Parteien jeglicher Couleur Tagungen oder Feste veranstalteten. „Nach dem Krieg mussten die Gäste aber Torfsoden oder in Zeitung eingewickelte Briketts mitbringen, um die zwei Öfen im Saal heizen zu können." Im Frühjahr 1959 begannen erste Planungen für eine Neugestaltung des Handwerkerhauses. Die damaligen finanziellen Verhältnisse ließen jedoch eine Realisierung nicht zu. Anfang 1962 wurden diese Pläne erneut aufgegriffen. Gleichzeitig kommt es zu einer grundlegenden Veränderung der Besitzverhältnisse. Der Kreishandwerkerschaft Husum wird der halbe ideelle Miteigentumsanteil am Haus übertragen. Damit wird der Weg frei für eine gemeinsame finanzielle Verantwortung. Es folgt 1963 der Anbau mit Saalerweiterung und neuem Haupteingang. Die Schlüsselübergabe findet im großen Rahmen am Abend des dritten Weihnachtstages 1963 statt. Den einsetzenden Wirtschaftsaufschwung feierten die Handwerker mit beeindruckenden Festen. Um eine „gut besuchte Versammlung zu erreichen", beschließt der Vorstand 1961 erstmalig, nach der Generalversammlung ein gemütliches Beisammensein mit Damen zu veranstalten. Dieses findet dann auch am 14. Januar 1961 mit einem Eisbeinessen statt. 88 Gäste nehmen daran teil. Das war der Ausgangspunkt für ein Zusammenlegen von Generalversammlung und jährlichem Stiftungsfest — Beginn der langen Reihe großer Handwerkerbälle, die bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren, sondern im Gegenteil von Jahr zu Jahr hinzugewonnen haben. Sowohl die 100-Jahr-Feier 1957 als auch das Fest zum 125-jährigen Bestehen 1982 bereitete Hans Peter Petersen mit den jeweiligen Vorsitzenden vor. Um den Stellenwert des Handwerkervereins in der Gesellschaft weiter zu steigern, lockerte Karl J. Raudzus in seiner Zeit als Vorsitzender durch eine umfassende Reform der Satzung die Bestimmungen für den Beitritt neuer Mitglieder.

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Runder Tisch

Längst ist der frühere Vorstand nicht mehr im Amt, doch von seinen Mitgliedern gehen nach wie vor bedeutende Anregungen für die Vorstandsarbeit aus. Als „Runder Tisch" hat er sich neu organisiert und vereint Ehemalige und Ehrenmitglieder zu allerlei Unternehmungen. Alle vier Wochen trifft sich dieses Gremium, plant Ausflüge wie die Sechs-Güter-Tour durch Ostholstein oder den Besuch einer Aalkate am Nord-Ostsee-Kanal. Persönlicher Zusammenhalt ist ihnen besonders wichtig, deshalb haben sie auch die Partnerinnen der Mitglieder eingebunden sowie alle inzwischen Alleinlebenden. Der zweite und größere Umbau des Handwerkerhauses prägte die 90er Jahre, als Udo Gutbier das Ruder im Verein übernommen hatte. Claus Lundelius, der von 1993 bis 1999 Kreishandwerksmeister war, erinnert sich an die turbulente Bauzeit. „Ich hatte einen Umbau schon lange vor meiner Amtszeit befürwortet, denn die Arbeitsverhältnisse in den zwei Büroräumen im Erdgeschoss waren ein unhaltbarer Zustand." Nur die Außenhaut und Innenwände blieben erhalten. Küche, Toiletten, Lüftungen wurden unter anderem völlig neu gebaut. Die dicke Decke zum Obergeschoss musste für eine Treppe durchbrochen werden, wo die Verwaltung der Kreishandwerkerschaft seitdem ihren Sitz hat. Ein großer Dank geht an die vielen Helfer — von Lehrlingen bis zu den Chefs der Baufirmen, von denen etliche unentgeltlich die Ärmel aufkrempelten. Inzwischen war die „Grundstücksgemeinschaft Handwerkerhaus Husum" aus Handwerkerverein, Kreishandwerkerschaft und der Innung des Baugewerbes Husum-Eiderstedt gemeinsam Eigentümer geworden. Heute bildet das Handwerkerhaus die Regie-Zentrale für alle Aktivitäten des Vereins und aller anderen Organisationen und Gremien des Handwerks.

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Fahnenwechsel

Feierlicher Fahnenwechsel im Jahr 1989 anlässlich des 132. Stiftungsfestes unter der Leitung des Ehrenvorsitzenden Johannes Hauschildt:

Richard Sievers trug die alte Fahne in den Saal des Handwerkerhauses, Friedrich Jacobsen brachte das neue, leuchtendrote Tuch herein.

Die alte Vereinsfahne wurde dem Nissenhaus übergeben. Die neue Fahne schmückt heute den Saal des Handwerkerhauses.

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An führender Stelle

Die Neuordnung der Husumer Wirtschaftsverbände ist das einschneidende Ereignis des jüngsten Vierteljahrhunderts, wobei der Vorstand maßgeblichen Einfluss auf die neuen Strukturen genommen hat. Ziel war, die Wirtschaftsförderung für die Region auf stabile Stützen zu stellen. In einer genialen Konstruktion sind in Husum ehrenamtliches und professionelles Engagement aller Beteiligten verknüpft worden, weil das eine ohne das andere allein nicht zum Ziel kommen kann. In einem ersten Schritt wurde 1991 der Verein der Wirtschaft gegründet. Unter seinem Dach fanden sich teils altehrwürdige Vereine wieder wie das Commerzium der Stadt Husum von 1738 und der Husumer Handwerkerverein von 1857 sowie die Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Ost und die Werbegemeinschaft Husum. Diese vier Gründervereine sowie der Verein der Wirtschaft als ihr Dachverband gründeten 1994 mit einer Einlage von jeweils 10.000 DM als GmbH die Husumer Wirtschaftsgesellschaft. Bis heute in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist, dass sich die Vorstandsmitglieder des Husumer Handwerkervereins dabei persönlich finanziell engagierten und die Einlage aus eigener Tasche bezahlten. Das waren Udo Gutbier, Günther Pflaeging, Ernst Hansen, Sönke Kribel, Peter Petersen und Helmut Klein. Die Wirtschaftsgesellschaft versteht sich bis heute als „kommerzieller Arm" der Vereine und konzentriert sich auf die Organisation von Messen. Stimmberechtigtes Mitglied im Aufsichtsrat ist die Stadt Husum, womit die enge Verzahnung zwischen Stadt und Messe unterstrichen wird. Damit war der Weg frei für die professionelle Abwicklung von Großprojekten, die jeden Verein personell, wirtschaftlich und rechtlich überfordert hätte. Der Verein der Wirtschaft löste sich bald darauf auf. Maßgebliches Sprachrohr ist heute der Wirtschaftskreis, dem die Vorsitzenden und ein weiterer Vertreter von Commerzium, Handwerkerverein, Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Ost und Werbegemeinschaft angehören. Dieses Spitzengremium ist Ansprechpartner für Politik und Verwaltung, womit die Stadt nicht etwa bei verschiedenen Organisationen Informationen und Meinungen einholen muss; eine tragfähige und zukunftsweisende Konstruktion. Sie entspricht der Überzeugung, dass die Stadt verlässliche Partner in den Verbänden haben muss. Damit das mit- und nicht neben- oder gar gegeneinander geschieht, waren Vorstandsmitglieder des Handwerkervereins immer wieder in Personalunion auch als Kommunalpolitiker im Stadtrat aktiv.

So verschaffen er und seine Mitstreiter bis heute den Interessen seiner Kollegen im Handwerk Gehör - wie es seit der Gründung des Vereins vornehmste Aufgabe der Organisation gewesen ist.

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